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Soulbase & wir

Wie ihr wisst, sind wir kein gewöhnliches Naturkosmetik Label und haben mehr im Sinn. Neben der Manufaktur gibt es bei MARI&ANNE auch ein Atelier in dem vor allem Marina & Sabine nach Lust & Laune gemeinsam kreativ werden. Hier entstehen neben eigenen Kreationen auch Kooperationen mit anderen Labels um in Austausch zu kommen und auf eine ganz besondere Weise mit gemeinschaftlichen Aktionen Blickwinkel zu verändern. Wir freuen uns sehr auf diese schönen & großartigen Möglichkeiten.

In den letzten Monaten gab es immer wieder Austausch mit Annika aus Portland. Annika ist die Gründerin von Soulbase — ein Printmagazin von und für Frauen. Marina und Sabine wurden von Annika gefragt was ihnen zum Thema VOICE einfällt. Gemeinsam haben sie dazu ein paar Postkartenmotive gestaltet, damit ihr Eure Stimme nutzen & sie versenden könnt. Zwei der Motive findet ihr limitiert in der aktuellen Ausgabe des Soulbasemag VOL. 3 dazu hat  Annika, Sabine noch einige Fragen gestellt:

Sabine, du bist eine der Gründerinnen hinter MARI&ANNE, einer Naturkosmetiklinie, die nicht nur mit 100% biologischen und hochwertigen Inhaltsstoffen arbeitet, sondern auch den Ansatz hat Bewusstsein und Veränderung für ein spezielles Thema zu schaffen. Wofür steht
MARI&ANNE?

Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz und unser Unternehmens Slogan” MANCHMAL KOMMT ES NUR AUF DIE INHALTE AN” unterstreicht unseren Grundgedanken für MARI&ANNE. Unser Leitgedanke steht für die Natürlichkeit unserer Rohstoffe, die Herstellung unserer Produkte und im übertragenen Sinne für unsere Werte. Unsere Naturkosmetik ist handgemacht und wird mit natürlichen Rohstoffen hergestellt. Ein weiterer Hauptgedanke von MARI&ANNE ist für uns zu zeigen und zu kommunizieren wie es ist, mit unterschiedlichen Menschen gemeinsam unser Label aufzubauen.

Dazu zählt u.a. meine Schwester Marina, die mit dem Downsyndrom geboren ist. Wir möchten mit Marina zeigen, wie Arbeiten heute nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht funktionieren kann. Es ist uns wichtig Bewusstsein zu schaffen, damit mehr Menschen anfangen etwas zuverändern. Unser Leben besteht zu einem Großteil  aus Arbeit. Ich finde es wichtig wenn wir alle lernen Arbeit und unsere Unterschiedlichkeiten als etwas positives zu betrachten.

Kommen wir bereits auf der Arbeit mit unterschiedlichen Menschen in Berührung, schaffen wir untereinander viel mehr Vielfalt und Normalität. Es sollte keine zusätzliche Anstrengung für Mitarbeiter*innen bedeutet sondern völlig normal sein, dass ein Team aus unterschiedlichen Menschen besteht. Gerade Unternehmen haben hier sehr viel Potential und Power etwas in der Gesellschaft zu verändern. Allein auch im Außenauftritt und Marketing.

Wir sehen es als unsere persönliche aber auch gesellschaftliche Aufgabe Marina ganz natürlich in unserer Mitte zu haben und zu integrieren. Wir wollen als kleines Label und Familienunternehmen anderen Unternehmen in der Wirtschaft ein Vorbild sein und ihnen neue Möglichkeiten aufzeigen und vielleicht Vorurteile nehmen. Genauso wollen wir unsere Kunden*innen in unsere Naturkosmetik eintauchen lassen. Wir nehmen sie durch persönliche Einblicke bei MARI&ANNE mit und zeigen ihnen wo und von wem ihre Produkte hergestellt werden.

Wir wollen Schönheitsideale und alte Muster aufbrechen  die sich in den Köpfen der Menschen und Gesellschaft manifestiert haben. Schönheit beginnt im Auge des Betrachters und bedeutet weitaus mehr als die richtige Pflege für die Haut zu finden. Schönheit beginnt nicht im außen, sie beginnt von innen heraus. Dafür ist Marina einfach die schönste Inspiration und Botschafterin, weil sie dieses wertvolle Gefühl zu sich selbst hat und vor allem jungen Frauen die kritisch mit sich sind, auf sanfte Weise einen anderen Blick vermitteln kann.

Eure Produkte sind Unisex Produkte. Woher kam der Gedanke eure Produkte nicht geschlechtsspezifisch zu labeln?

Unsere Produkte haben kein Geschlecht, sie sind für normale, trockene, sensible oder beanspruchte Haut gedacht. Diese Haut haben Frauen wie Männer gleichermaßen, deshalb haben wir uns dazu entschieden sie unisex zu labeln. Heutzutage gibt es für jeden Hauttyp, für jedes Alter, für jedes Geschlecht Produkte. Wir sind der Meinung, dass es mittlerweile viele unnötige Produkte auf dem Markt gibt. Sie sollen uns alle das Gefühl suggerieren, dass wir für jedes Hautproblem und Alter ein anderes Produkt benötigen. Blickt man tiefer hat dieses Überangebot mit Konsum und Geld zu tun.

Wir freuen uns immer sehr, wenn z.B. Paare unsere Unisex&mehr Rasierseife gemeinsam im Bad benutzen. Die Paare merken, dass sie die Seife für Gesicht, Körper und die Rasur nutzen können, sich ein gutes Produkt gemeinsam leisten, Kosten und Müll einsparen. Das ist unser Ziel hinter allen Produkten.

Ihr schafft wunderbare Transparenz auf euren Social-Media-Kanälen, indem ihr eure Followers/Leser & Kunden hinter die Kulissen führt und uns einen Einblick in die Produktion & das Team sowie in die Arbeitsweise von MARI&ANNE ermöglicht.
Warum war ist es deiner Meinung nach ein wichtiger Schritt für euer Unternehmen?

Wir sind eine kleine Manufaktur, aus gerade einmal 1 Festangestellten und vielen Helfern. Wir stellen alle Produkte in Handarbeit und Eigenproduktion her. Es ist heutzutage in der Kosmetikindustrie eher unüblich noch selbst herzustellen. Die meisten Brands lassen von anderen Firmen produzieren und kümmern sich nur noch um das Marketing der Produkte. Wir hatten den Wunsch mit M&A eine Marke zu schaffen, die natürlich, nahbar und am Menschen dran ist. Diesen Grundsatz möchten wir in allen unseren Abläufen zeigen. Uns war wichtig, Vertrauen zu unseren Kunden*innen aufzubauen. Das geht meiner Meinung nach nur, durch Transparenz und Authentizität. Wir wünschen uns, dass Kunden*innen mitentscheiden können, an unserer Entwicklung, an Produkten, an der Marke. Meine Mutter Marianne, die Mitgründerin und Entwicklerin der Produkte ist, braucht die Nähe und das Feedback der Kunden*innen um unsere Produkte auf die Bedürfnisse und vor allem Hautprobleme stetig zu verbessern.

Natürlich ist Social Media bei all meinen anstehenden Aufgaben unglaublich Zeitintensiv. Aber durch die direkte Nähe zu unserer Community wachsen wir, entwickeln und schaffen tolle Produkte. All das wäre denke ich nicht möglich, wenn wir diese Plattform nicht hätten.

Ein Teil eures Teams besteht aus Menschen mit Behinderungen. Einer eurer Hauptansätze für das Unternehmen besteht darin, Behinderungen zu destigmatisieren. Welche Annahmen seht ihr noch in der Gesellschaft verankert und warum denkt ihr ist es wichtig, Bewusstsein und Vielfalt in diesem Bereich zu schaffen?

Das stimmt, wir haben Marina in unserer Mitte. Marina ist mit dem Down-Syndrom geboren. Marina war in der Gesellschaft nie sichtbar und wenn, dann wurde sie eher seltsam oder bemitleidenswert angesehen. Sie wird zu allererst nur auf ihre Behinderung reduziert. Marina ist für mich und uns einfach Marina. Natürlich ist sie durch ihr Down-Syndrom besonders. Aber sie ist im Grunde einfach ein Mensch mit Stärken und Schwächen der ebenso akzeptiert und teilhaben möchte, wie jede*r andere auch.

Menschen mit Down-Syndrom bzw. auch mit einer anderen Behinderung werden in der Wirtschaft als weniger Leistungsstark empfunden. Was rein wirtschaftlich gesehen oftmals auch zum tragen kommt. Ich kann hier Beispielhaft immer nur von Marina sprechen. Marina braucht eine Anleitung bei der Arbeit und Hilfestellungen. Diese Hilfestellung muss im wirtschaftlichen Kontext ein weiterer Mitarbeiter übernehmen, der dafür natürlich bezahlt werden muss. Ich denke deshalb schrecken viele Firmen davor zurück.

Bei uns ist es ja aktuell noch so, dass Marina als Familienmitglied mitarbeitet, von uns bzw. unseren Mitarbeiterinnen unterstützt und angeleitet wird. Wir wissen selbst noch nicht, was genau es auch kostentechnisch bedeutet Marina vollumfänglich als Mitarbeiterin einzustellen. Diese Hürde gehen wir in den nächsten Monaten an und sind gespannt, was hier möglich und nicht möglich ist, da Marina seit 12 Jahren eine Teil der Werkstätten ist. Eines ist jedenfalls klar, Marina und ich bin mir sicher auch andere Menschen mit Behinderung, bereichern ein Team ungemein. Es geht ja letztendlich nicht nur um die Arbeit sondern auch das miteinander.

Bei MARI&ANNE ist es mir wichtig, dass Marina ebenso die Möglichkeit hat, teilzuhaben. Ich wünsche mir, dass sie im außen für ihre Leistung ebenso Wertschätzung erfahren darf, wie es für mich möglich ist. Marina kann soviel mehr, als andere Menschen in ihr sehen, es muss nur zum Vorschein gebracht werden.

wir Marina immer wieder auch im außen mit ein, egal ob online oder offline. Es gibt Momente, in denen ich Menschen die mit uns als Brand arbeiten bewusst mit Marina in Kontakt bringe. So sind schon viele Vorurteile aufgelöst worden und Menschen haben sich mit dem Thema Down-Syndrom aber auch übergreifend Behinderung wirklich auseinandergesetzt. Mit MARI&ANNE haben wir es uns zur Aufgabe gemacht Marina und Mitarbeiter*innen aus dem Werkstätten zu unterstützen und sichtbar zu machen, weil Sichtbarkeit Anfang und Schlüssel für ein inklusives Miteinander ist. Mir ist es wichtig niemanden zu verurteilen oder den Zeigefinger zu erheben. Ich habe den Wunsch, dass wir durch unsere Arbeit Verständnis füreinander entwickeln können um Vorurteile abzubauen und Sichtweisen verändern zu dürfen. Ich finde es schön, wenn ehrlicher Austausch entsteht und Menschen mutig werden, Fragen zu stellen.

War es schon immer Teil Ihrer Philosophie, kleine Mengen zu erstellen?

Dadurch dass wir uns komplett selbst finanziert haben und uns immer noch nicht zu 100% anstellen können, ist die Produktionsmenge auch Teil unserer Philosophie geworden. Zudem nutzen wir keinerlei Konservierungsmittel und produzieren daher auf Bedarf und Anfrage immer frisch bzw. passen wir organisch an die Nachfrage unserer Kunden*innen an. Wir sind gespannt, wie sich M&A in den nächsten Monaten entwickeln wird.

In euren Produkten verwendet Ihr nur 100% biologische und hochwertige Zutaten und erweitert die Produkte nicht mit Wasser. Was unterscheidet eure Produkte, von anderen Hautpflegeprodukten?

Tatsächlich unterscheidet uns zum größten Teil, dass unsere Produkte komplett handgemacht und wasserfrei hergestellt werden. Außer bei der Seifenherstellung, bei der Wasser ein wesentlicher Bestandteil ist. Es unterscheidet uns auch, dass wir komplett auf Konservierungsmittel verzichten. Wasserfreie Kosmetik hat viele Vorteile. Unsere Produkte benötigen keine Konservierungsstoffe – denn Bakterien, Hefen und Pilze lieben Wasser! Auch bei der Verpackung sind unsere Produkte im Vorteil, weil sie weniger Material benötigt. Dazu kommt, dass wasserfreie Kosmetik weniger wiegt und beim Transport den CO2-Abdruck nicht so stark belastet. Zudem sind unsere Produkte wesentlich ergiebiger und können sparsamer angewendet werden. Viele Unternehmen nutzen Wasser als günstigen Füllstoff, den Kunden*innen meist teuer bezahlen.

Was bedeutet es, als Familie in verschiedenen Bundesländern zu arbeiten?

Der konservative Gedanke als Teil einer Firma vor Ort sein zu müssen beschäftigt mich immer wieder. Für mich stand bereits bei Gründung von M&A fest, dass ich den Norden Deutschlands nicht verlasse. Seitdem heißt es für mich mindestens 1-2x im Monat nach Franken zu reisen um dort entweder mit anzupacken, organisatorische Sachen zu klären, Termine zu machen und für unser kleines Team auch mal vor Ort ansprechbar zu sein.
Es ist in manchen Situationen nicht einfach 500 km getrennt zu sein. Wo andere sich an der Kaffeemaschine oder einfach am Arbeitsplatz austauschen, kommen wir digital per Telefon, Chat, Mail oder Videocall zusammen. Auch als Familie. Ich empfinde es als große Anstrengung aber auch als unglaubliche Chance, wie nun auch die Pandemie vielen Unternehmen gezeigt hat. Marianne kümmert sich vor Ort in Franken um die Produktion unserer Produkte, dort findet auch der Versand statt.

Meine Aufgaben kann ich überwiegend remote, also von unterwegs oder in Norddeutschland erledigen. Dadurch habe ich immer wieder den Abstand und Blick von außen was für uns als Label und Familie immer wieder Vorteile mit sich bringt. Auch wenn es für alle Beteiligten immer mal wieder Stress bedeutet haben wir so als Familie immer wieder unsere Ruhezeiten und konzentrieren uns auf die jeweilige Aufgabe bei M&A.

Sabine, Du bist auch der kreative Kopf des Unternehmens und auch verantwortlich für das Visuelle Marketing. Wie gehst du mit deiner Zeit um und findest Inspiration dafür?

Durch die Entfernung und andere Lebensmentalität habe ich einen gesunden Abstand und immer wieder einen neutralen Blick auf unsere Marke. Auch wenn vieles einfacher wäre ist es für mich und meine Kreativität wichtig, nicht direkt vor Ort zu sein. Es bleibt eine Gewisse Unruhe in mir vorhanden, durch die Entfernung und all meine Aufgaben. Die Kreativität gibt mir die Möglichkeit von Dingen die ich erledigen muss auch immer wieder Abstand zu nehmen und mir Neues zu überlegen. Inspiration kommt bei mir, wenn ich in Bewegung bin, neue Menschen kennenlerne, die Möglichkeiten bekomme außerhalb des Tellerrands zu leben, nicht stehen zu bleiben und meine Umgebung entdecke. Im Grunde ist Bewegung Inspiration für mich. Aber manchmal ist sie auch einfach da, wenn ich keinen Zeitdruck verspüre, zur Ruhe kommen kann oder Zeit mit Marina verbringe.

Wie geht Ihr mit Wettbewerb und Vergleichen um?

Vor Wettbewerb und Vergleich sind auch wir nicht sicher. Wir haben uns alles selbst beigebracht, alles selbst finanziert und die letzten 1 ½ Jahre ziemlich viel gearbeitet. Zum Teil bis zur Belastungsgrenze. Es gab immer wieder Situationen in denen wir nach links und rechts gespitzt und uns von der Konkurrenz verunsichern lassen haben. Vergleiche und Wettbewerb machen mich persönlich unruhig, weil sie mich enorm stressen.

Hier geht es nur noch um höher, schneller und weiter. In solchen Momenten hilft es mir, mich auf meine und unsere Werte zu besinnen und wieder ein Schritt nach dem Anderen zu. Wir sind wir, mit unserer Geschichte und vor allem unserer Geschwindigkeit. Mich darauf zu besinnen, nimmt die Unruhe und lässt mich wieder klar werden.

Zudem bleibt aktuell glücklicherweise gar nicht mehr soviel Zeit sich von Vergleichen ablenken zu lassen. Das sehe ich als Vorteil, so können wir uns auf uns fokussieren und einfach unserer Arbeit nachgehen.

Denn die Gefahr im Wettbewerb und Vergleich ist, das man seinen eigenen Weg aus den Augen verliert und nicht mehr bei sich und den Gründen ist, warum man angefangen hat.

Wenn du in drei Sätzen beschreiben könntest, was Mari & Anne für dich bedeutet, was würdest du sagen?

ch glaube MARI&ANNE ist bisher die größte Herausforderung in meinem Leben. Ich komme aus keiner Unternehmerfamilie und bin mit Unternehmertum erst beim Gründen von
MARI&ANNE in Berührung gekommen. MARI&ANNE bringt mich immer wieder an meine Grenzen, weil ich mit Herausforderungen umgehen muss, die mir niemand beigebracht hat. Alles ist learning bei doing und fordert viel Energie und Kraft. In den letzten 1 ½ Jahren hatte ich viele unvorhergesehene Herausforderungen zu meistern. Aber die Vielfalt und Möglichkeiten die MARI&ANNE bieten treiben mich auch immer wieder an weiterzumachen um eine Marke aufzubauen die nachhaltig etwas in der Gesellschaft verändern kann.

You find the English version of the interview with Annika from Soulbasemag here.

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