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“Einfach machen” – Auf ein Gespräch mit Tanja von Pottery.Hontas

Gemeinsam mit Tanja von Pottery.Hontas haben wir für Euch wunderschöne Seifenschalen aus Keramik entworfen. Die Zusammenarbeit war einfach wunderbar und wir möchten Euch an dieser Stelle gerne den tollen und inspirierenden Menschen hinter Pottery.Hontas vorstellen, Tanja Branisavljevic.

LIEBE TANJA, ERZÄHL DOCH EINMAL WER DU BIST UND WIE DU ZUR KERAMIK GEKOMMEN BIST.

Ich bin Düsseldorferin durch und durch, 33 Jahre und habe meine kleine Werkstatt in Hilden. Ich bin gelernte Werbekauffrau und habe Ende 2016 mit dem Töpfern angefangen. Begonnen hat es damit, dass ich zu meinem 40h Bürojob einen Ausgleich suchte. Mir fehlte am Ende des Tages ein Ergebnis, das ich in den Händen halten konnte. Bei Instagram bin ich dann auf Töpfer-Videos gestoßen und dachte, das will ich auch. Dann habe ich bei Rosemarie Dohmen einen Kurs belegt und bin dort jede Woche für zwei Stunden nach der Arbeit hin, nachdem ich endlich nach drei Monaten einen Platz bei ihr ergattert hatte. Relativ schnell spürte ich, wie viel Spaß mir das Töpfern macht und dass es mir auch liegt. Ich habe mir direkt noch einen zweiten Kurs gesucht. Später habe ich an weiteren Workshops teilgenommen, u. a. bei Tortus in Kopenhagen. Sein Video war es, das mich zum Töpfern gebracht hat. In einem Mini Sabbatical 2017 bin ich drei Monate alleine durch Asien gereist und habe dort, wo es nur ging, getöpfert.

2018 habe ich begonnen mit meinen Arbeiten nebenbei auf „handmade“ Märkten zu gehen und schließlich über einen glücklichen Zufall auch noch die Räume für meine Werkstatt bekommen. Zusammen mit Freunden haben wir getan und gemacht und schließlich hatte ich mein eigenes Atelier. Von meinem Ersparten habe ich dann noch die Maschinen angeschafft, wie Drehscheibe und Ofen. Ohne meine Freunde, die mir zur Hand gehen beim Packen oder mir Essen vorbei bringen hätte ich das alles aber gar nicht geschafft.

Neben meinem Vollzeitjob bin ich an den Wochenenden auch noch Kellnern gegangen. Die restliche Zeit habe ich in die Töpferei investiert. Mit Corona kam dann die Kurzarbeit und da merkte ich einfach, jetzt ist die Zeit gekommen. Ich reduzierte meinen Bürojob und arbeite seit Oktober 2020 nur noch zwei feste Tage dort, die restliche Zeit der Woche verbringe ich in meiner Werkstatt.

Der Ratschlag „einfach mal machen“ war für mich ganz hilfreich und das habe ich dann auch so umgesetzt. Einfach gemacht, getan, gearbeitet und das ganze hat sich dann Schritt für Schritt entwickelt. Ich bereue da nichts. Manchmal denke ich, ich hätte es auch früher machen können, aber vielleicht war es einfach die Zeit, die ich brauchte.

BIST DU ZUVOR SCHON EINMAL MIT HANDWERK IN BERÜHRUNG GEKOMMEN?

Ich wollte mal Architektur studieren und habe dann dafür ein halbes Jahr in einer Schreinerei gearbeitet. Mein Papa hat keine Söhne, das heißt zu Hause haben wir immer alles aufgebautJEin Händchen für`s Malen hatte ich schon immer und Kunst auch im Abi belegt. Die Affinität war also schon immer irgendwie da. Zum Ton kam ich dann aber wie gesagt erst später. Es ist für mich wie Yoga für den Kopf. Ich vergesse dabei einfach Raum und Zeit und sobald sich die Scheibe dreht wird mein Kopf frei.

WOHER HOLST DU DIR DEINE INSPIRATION FÜR DEINE ARBEIT?

Alle Sachen hier in meinem Atelier sind entstanden durch Ausprobieren oder auch Sachen die ich woanders gesehen habe. Die Asien Reise z. B. war der Auftakt für meine Farben. Diese haben alle Namen die etwas mit Ländern, mit Reisen zu tun haben. Ich habe eine Glaus die heißt Bali, die andere Java oder Istanbul. Für meine eigene Glasur habe ich ziemlich lange gebraucht. Ich habe ein Grundrezept genommen und dieses etwas verändert und so meine ganz eigene Glasur gezaubert. Ich habe auch geschaut, welche Formen liegen mir und was geht ganz gut umzusetzen. Es gibt bei mir also auch mittlerweile eine Basis Kollektion, also Standard Becher, Standard Barista Becher, Standard Müslischalen usw.

Viel passiert auch bei Instagram. Man sieht natürlich auch andere Keramiker, was die so machen. Auch der Austausch mit Freunden und Kunden bringt mich oft auf neue Ideen. Auch aus „Unfällen“ entsteht oft etwas neues, wie z. B. aus einer Untertasse, deren Boden zu dünn wurde. Das Material wegzuwerfen war zu schade, also klebte ich einen Spiegel drauf und nun ist es eine schöne Wanddeko.

Also ich bekomme Inspiration beim Machen, im Austausch und ganz viel auf Reisen. Jedes Land hat auch eine andere Art von Keramik. Die Japaner arbeiten oft sehr filigran, in Indonesien habe ich viele geradlinige oder zylinderförmige Arbeiten gesehen.

Bei den Seifenschalen war es auch ein Miteinander. Sabine brachte den Wunsch ein, die Glasur matt zu halten, das hatte ich bisher nicht ausprobiert und das Ergebnis hat mich so begeistert, dass ich es in meiner Kollektion sicherlich weiter verwenden werde.

ALSO BRINGEN AUCH AUFTRAGSARBEITEN ETWAS BEFRUCHTENDES MIT SICH. WIE KANN MAN DEINE KERAMIK DENN KAUFEN?

Aktuell arbeite ich auf Bestellung. Man kann mich über Instagram oder via E-Mail anschreiben und sagen „Ich hätte gerne fünf Bowls“ oder die Tasse von Deinem letzten Post. Wenn die Kunden sagen, sie mögen gerne Blautöne, schaue ich auch was ich auf Lager habe oder kaufe bei einer größeren Bestellung auch noch extra Glasuren. Oft entstehen daraus auch die schönsten Kombinationen, die ich dann in meine Kollektion mit aufnehme.

MAGST DU UNS BESCHREIBEN, WIE DER PROZESS VON DER ERSTEN IDEE BIS ZUR FERTIGEN KERAMIK AUSSIEHT?

Ich teile gerne mein Wissen, außer das Rezept für meine eigene Glasur;) Sonst kann man mich alles fragen. Ich hätte mir damals, als ich angefangen habe, gewünscht, dass da irgendjemand ist, den ich alles fragen kann, der mir Sachen beantwortet.

Wenn ich eine Idee oder Vorstellung habe, z. B. ich möchte eine Vase töpfern, habe ich schon eine Form und Farbkombination im Kopf. Dann überlege ich, wie viel Masse ich dafür benötige und welche Grundfarbe des Tons ich einsetze (ich arbeite mit schwarz, grau und einem bräunlichen Ton). Ich habe eine Liste, wie viel Gramm ich z. B. für einen Becher verwende. Natürlich ist es Handarbeit, aber es soll schon in etwa gleich aussehen. Dann setze ich mich an die Scheibe, wenn ich alleine bin mit Musik oder einem Podcast auf den Ohren und drehe die Form, die ich haben möchte. Sie muss dann, je nach Jahreszeit etwa ein bis zwei Tage antrocknen. Danach drehe ich die Vase auf den Kopf und bearbeite den Boden mit den für mich charakteristischen Rillen. Dann geht es noch einmal ab ins Regal zum Trocknen, damit sie die Feuchtigkeit verliert. Jetzt ist Zeit für den Ofen. Dann habe ich schon einen Blick, ob es gut geworden ist. Bei 900 Grad wird sie das erste Mal gebrannt, dann kommt die Glasur drauf und sie kommt ein zweites Mal in den Ofen, diesmal bei 1.200 Grad. Das ist dann der sogenannte Hochbrand, die Sachen sind dann wasserdicht, geben also kein Wasser mehr ab und nehmen keines mehr auf.

Wenn mich die Keramik dann berührt und mir ein Lächeln in`s Gesicht zaubert, mache ich ein Foto und teile es auf Instagram mit der Welt.

 

WIE GROSS IST DIE BEDEUTUNG VON INSTAGRAM FÜR DEIN BUSINESS?

Als Marke überlegt man natürlich, welche Marketinginstrumente genutzt werden. Bei mir war klar, dass ich Instagram als Plattform nutze, da ich ja auch Fotos von meiner Keramik mache. Die stelle ich dann online und die Leute nehmen das auch super an. Für mich also die beste Möglichkeit. Ich stellte dann also alles online, aktualisierte meine Infos und schrieb, dass ich auf Bestellung arbeite. Ich hatte Glück, dass Anna Heupel, Fotografin, von mir eine Vase hatte und diese in ihrer Story erwähnt hat. Dann nahm alles seinen Lauf. Es ist auch für die Leute total einfach. Sie sehen etwas, schreiben mir und ich schicke es zu. Ich bin da sehr unkompliziert, das war auch das Schöne an unserer Zusammenarbeit. Mit euch war es auch einfach unkompliziert.

BEI UNSERER ZUSAMMENARBEIT WAR INSTAGRAM JA AUCH MASSGEBLICH BETEILIGT. WIE KAM ES GENAU DAZU?

Sabine hat mich über Instagram angeschrieben. Ich kannte Mari&Anne schon vorher über Lilli auf Instagram, die bei mir mal einen Becher bestellt hatte und Euch erwähnte. Euer Konzept fand ich so schön und finde es generell toll, wenn Frauen sich selbständig machen und ihr Business verfolgen.

Schließlich haben wir dann einfach telefoniert und waren uns schnell einig. Die Zusammenarbeit hat großen Spaß gemacht. Jeder macht das, was er kann und dann guckt man, dass man sich da zusammenfindet und das zusammen bringt. Das Unkomplizierte und die Chemie generell haben einfach gepasst.

DU GEHST SEHR OFFEN MIT DEINER ARBEIT UM, TEILST VIEL WISSEN MIT ANDEREN UND GIBST AUCH SELBST KURSE. WIE STEHST DU ZU DEM THEMA KONKURRENZ?

Eine Kursteilnehmerin von mir hat sich mittlerweile einen eigenen Raum angemietet und eine Scheibe gekauft. Ich habe da keine Angst. Im Gegenteil. Es freut mich sehr und macht mich stolz, dass ich sie beflügelt habe, diesen Weg zu gehen. Meinetwegen soll an jeder Ecke eine Töpferei aufmachen. Jeder macht es anders, hat seine eigene Handschrift.

Ich bin der festen Überzeugung, dass für alle Platz ist. Man muss auch nicht immer alles gelernt oder studiert haben – entweder man kann es oder man kann es nicht. Dass jetzt viele nachhaltige Produkte auf den Markt kommen, viel Naturkosmetik ist doch gut. Es kann doch nur förderlich sein, wenn wir alle auf der Welt natürliche und nachhaltige Produkte nutzen.

Das gefällt mir bei euch auch so gut, welchen Leuten ihr Platz macht, wen ihr in eure Arbeit einbezieht. Es ist Platz für alle und da ist mir das Einzelschicksal der Menschen viel wichtiger. Das jemand Spaß an seiner Arbeit hat, an dem was er tut.

KÖNNTEST DU DIR EINE ZUSAMMENARBEIT MIT MENSCHEN MIT BEHINDERUNG VORSTELLEN?

Ja, absolut. Ich habe ganz lange in der Gastronomie gearbeitet, habe also schon mal grundsätzlich keine Berührungsängste mit anderen Menschen. Eine Freundin von mir hat eine Schwester mit Down-Syndrom. Da habe ich gelernt, dass es eine ganz andere Art des Denkens und Erlebens gibt, ganz unbeschwert. Eben das, was Kinder oft noch haben. Nicht groß nachfragen, einfach  machen. Ich glaube es gibt heutzutage in der Gesellschaft immer noch zu viele Berührungsängste mit Menschen, die sich von einem selbst unterscheiden.

Ich Folge auf Instagram auch einem Töpfer, der nur noch einen Arm hat und trotzdem Keramik macht. Das finde ich so großartig – es sollen sich alle kreativ austoben.

WAS WÜNSCHST DU DIR FÜR DICH UND DEINE SELBSTÄNDIGKEIT IN ZUKUNFT?

Ich habe dieses Jahr versucht, nicht zu viel in die Zukunft zu schauen. Das macht mich aufgrund der ganzen Corona Situation einfach unruhig. Ich träume aber natürlich von einer Weiterentwicklung und von Verbindungen mit anderen Menschen und möchte die Töpferei noch mehr teilen, da es für mich ein so schönes und erfüllendes Handwerk ist. Persönlich wünsche ich mir, dass die Leute weiterhin meine Sachen mögen. Es ist für mich oft immer noch kurios, dass mir Menschen schreiben, sie finden meine Sachen so schön und trinken so gerne aus dem Becher. Ich hoffe einfach, dass das ganz lange noch so bleibt.

Wir danken Tanja für die schöne Zeit in ihrem Atelier und für ihre Offenheit und wünschen Ihr für Ihre Selbständigkeit nur das Beste!

Wenn Du jetzt neugierig bist und mehr über Tanja erfahren möchtest, besuche einfach ihre Website oder ihr Profil auf Instagram. Um zu unseren schönen Seifenschalen zu gelangen, geht`s hier lang.

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